Gründungstage

Feier zum neunten Gründungstag der PH Zürich

Der Gründungstag 2011 der PH Zürich stellte die Lehrerinnen und Lehrer der Volksschule ins Zentrum. Unter dem Titel «Lehrerin werden! Lehrer sein. Lehrerin bleiben?» zeigte der Anlass mögliche Karrierewege auf und stellte exemplarisch verschiedene Berufsbiografien vor. Passend zum Fokus auf die Frauen und Männer der Praxis erhielt denn auch Kurt Bannwart, langjähriger Sekundarlehrer und Schulleiter an der Oberstufe Petermoos in Buchs/ZH, den Bildungspreis 2011 der PH Zürich und der Stiftung Pestalozzianum überreicht. Der pensionierte Lehrer nahm den Preis – ein Relief des Bildhauers Hans Josephson – sichtlich gerührt entgegen, «im Wissen, welche Leistungen tagtäglich von Tausenden von Lehrpersonen erbracht werden und deshalb auch stellvertretend für meine Kolleginnen und Kollegen», wie er in seiner Dankesrede ausführte.
«Sie erhalten den diesjährigen Bildungspreis als Vorbild für ein erfülltes Berufsleben, an dem sich ablesen lässt, welche Herausforderungen mit der öffentlichen Schule verbunden waren und sind, wie man mit geduldigen Schritten der Problemlösung weiterkommt und auch, dass man klug auf Widerstände reagieren kann. Am Ende zählt die Erfahrung, dass etwas bewegt worden ist, zum Wohle und zum Nutzen der Volksschule.» So würdigte Jürgen Oelkers als Präsident der Jury Bildungspreis in seiner Laudatio den diesjährigen Preisträger. Die Jury selbst schreibt: «Kurt Bannwart steht stellvertretend für die vielen Lehrerinnen und Lehrer, die Reformen aufnehmen, fördern, weiter treiben, ohne selbst gross im Mittelpunkt zu stehen.»
Am neunten Gründungstag der PH Zürich standen sie für einmal im Mittelpunkt, die Lehrerinnen und Lehrer; auch mit ihren unterschiedlichen Berufsbiografien und Karrierewegen. Einmal Lehrperson, immer Lehrperson – diese Aussage gilt in der heutigen Zeit nicht mehr. Berufliche und private Biografien von Lehrerinnen und Lehrern verlaufen nicht mehr geradlinig, sondern häufig gebrochen. Für den Lehrberuf bedeutet dies, dass eigentlich in jeder Phase einer Berufsbiografie aus dem Beruf aus- beziehungsweise in den Beruf eingestiegen werden kann. Die Modularisierung der Aus- und Weiterbildung sowie das Bologna-Modell machen die heutige Ausbildung anschlussfähig für qualifizierende Weiter- oder Zusatzausbildungen und zwar für Aufgaben innerhalb und auch ausserhalb des Schulsystems. Mit den neuen Ausbildungsprogrammen für Quereinsteigende wird auch der Einstieg aus anderen Berufen ermöglicht. Wurde früher oft bemängelt, der Lehrberuf sei ein Einbahnberuf, so trägt die veränderte Situation heute sicher zur Attraktivität des Lehrberufs bei. Dies schrieb Rektor Walter Bircher zur Einladung an die diesjährige Feier.

Wie attraktiv der Beruf als Lehrerin auch nach fast zehn Jahren Unterrichten noch sein kann, führte Georgina Bachmann, Primarlehrerin in der Stadt Zürich und Mitglied der Geschäftsleitung des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands ZLV, aus. Für sie ist die Freude am Unterrichten ein Produkt aus mehreren Faktoren: Im Zentrum stehe jedoch, mit Begeisterung, Humor, Neugierde, aber auch mit Professionalität und Strenge Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernen zu begleiten und Eltern in Bezug auf das Lernen ihres Kindes zu beraten. Was im Zentrum von Studierenden der PH Zürich bei ihrem Berufswunsch Lehrerin oder Lehrer steht, erzählten im Anschluss zwei Studentinnen und ein Student in einem Videobeitrag des hochschuleigenen medien-lab.

Die Studierenden kamen am Gründungstag der PH Zürich aber nicht nur zu Wort, sondern vielmehr noch zu Gesang. Wie in den beiden letzten Jahren verschönerte der Hochschulchor – bestehend aus Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich, geleitet von Musikdozentin Elsbeth Thürig-Hofstetter und begleitet von einer Band aus Dozenten der PH Zürich – die Reden und die Feier mit drei wunderbaren Liedern.
Dass Karrieren von Lehrpersonen durchaus auch aus dem Schulsystem hinausführen und am Ende wieder zurückführen können, bewies das Gespräch mit Roger Meier, Verwaltungsdirektor an der PH Zürich, der kurzfristig für den erkrankten angesagten Interviewgast eingesprungen war. Roger Meier ist ausgebildeter Oberstufenlehrer und nutzte seine als Lehrer erworbenen Kompetenzen nach einigen Jahren Unterrichten an einer Realschule und einer Berufsfachschule zum Schritt in die Privatwirtschaft zu einer Versicherungsgesellschaft, in der er während 20 Jahre die unterschiedlichsten Aufgaben und Verantwortungen übernommen hat. 2009 kehrte er als Verwaltungsdirektor der PH Zürich zurück in die Lehrerbildung. Das sehr persönliche Gespräch führte Ruedi Isler, Dozent an der PH Zürich und Leiter der Geschäftsstelle der Stiftung Pestalozzianum.

Die Stiftung Pestalozzianum nahm zum Schluss der Feier wie jedes Jahr die Ehrung und Auszeichnung von sehr guten Leistungen von Studierenden der PH Zürich vor. Stiftungspräsident Peter Stücheli-Herlach überreichte den vier anwesenden Studentinnen je eine Rose und eine Urkunde mit dem Preisgeld und würdigte die Leistungen der vier jungen Frauen in seiner Laudatio ausführlich.
Text: Martin Kilchenmann
Fotos: Mike Krishnatreya
Laudatio Jürgen Oelkers und Referat von Kurt Bannwart

Originalwebsite: PHZH